Und das Wetter war wie?

Ich achte auf angemessene Alliterationen am Anfang eines etwas eingeschränkt-exzellenten Eintrages.

Aber sprechen wir doch übers Wetter.
Am Tag meiner Ankunft war ich nach dem Zurücklegen einer Distanz von knapp 200 Metern bis auf die Knochen durchnässt. Wegen des Regens. Am zweiten Tag war ich ebenso schnell durchnässt. Diesmal jedoch bei wolkenlosem Himmel und schönstem Sonnenschein. Seither war insbesondere die dritte Woche noch einmal regnerisch, die anderen Tage waren geprägt von einer eigentlich angenehm warmen Temperatur, aber hoher Luftfeuchtigkeit, die einem den Schweiss aus den Poren trieb. Grund für die hohe Luftfeuchtigkeit sind sicher die vielen Teiche, Seen, Bäche und Flüsse, die die Landschaft in und um Moskau prägen. Möglicherweise tragen auch die Traktoren, die periodisch die Strassen mit Wasser kühlen, dazu bei. Ein Tag, an dem nicht irgendwo Wolken am Himmel zu sehen sind, gab es nicht. Hingegen war auch bei grössten Sturzfluten irgendwo ein blauer Fleck am Himmel zu sehen.

Die regnerischen Zeiten sind jeweils mit Gewittern verbunden gewesen. Und wenn es mal loslegt, dann richtig. Meinen Informationen zufolge sind zum Beispiel am Sonntag, dem 3. Juli, 3 Menschen in Moskau aufgrund von Blitzeinschlägen gestorben, sowie weitere verletzt. Bei allen wurde die Nutzung eines elektronischen Gerätes zum Verhängnis. Aber was ich damit sagen möchte, ist ja eigentlich, dass das Wetter hier Formen angenommen hat, die ich mir so von der Schweiz nicht gewohnt bin. Dies hängt auch mit der geografischen Lage zusammen: weit und breit keine Berge, die den Wind oder die Wolken in irgendeiner Weise beeinflussen könnten. Kommt der Wind von Norden, wird es kalt, kommt er vom Süden warm.

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Über Sprache sprechen

Die Motivation für einen Sprachaufenthalt? Sprache lernen, klar. In meinem Fall Russisch. Eine spannende Sprache: Einflüsse von Wikingern, Mongolen, Griechen und vielen mehr entwickelten sich zu einer eigenen, komplexen Sprache, die sich insbesondere durch eine viel zu grosse Anzahl an Wörtern auszeichnet. Eine weitere Eigenart ist die kyrillischen Schrift, die aus einer Hand- und einer Blockschrift besteht, die beide grosse Ähnlichkeiten zur lateinischen Schrift vorweisen. Allerdings nur optisch: der kyrillische Buchstaben für den Laut des lateinischen d sieht in der Handschrift aus wie jenes vom g, das r wie ein p, das t wie ein m. Und das ist nur eine Auswahl der kleineren Schwierigkeiten.

Die Frage, wie viel ich schon verstehe, und ob ich grosse Fortschritte mache, wird oft gestellt. Ich fühle mich nicht kompetent, eine vernünftige Antwort zu geben. Im geschlossenen Umfeld der Russischlektionen wird das Gesprächsthema auf mein Kenntnisstand abgestimmt. Die verwendeten Wörter und Formen kenne ich, beziehungsweise: sollte ich kennen. Die Geschwindigkeit ist ebenso auf mein Tempo abgestimmt und ist nicht vergleichbar mit der eines realen Gespräches. Und alles Neue wird erklärt. Insgesamt geht es dort hervorragend vorwärts, Neues gibt es portionsweise und mein Verständnis für die Unterrichtssprache steigt stetig.

Auf der Strasse aber. Oder im Restaurant, im Supermarkt: sobald ich angesprochen werde, stehe ich zuerst verdutzt zwei Sekunden stumm da, wie ein Reh vor dem heranrasenden Auto. Dann die ungelenke Bitte um die Wiederholung des Gesagten. Meist ist es die Geschwindigkeit, die mich daran hindert, den ganzen Satz zu erfassen. In den meisten Fällen gelang es mir anschliessend, ein oder zwei Stichwort herausfiltern, mit denen ich durch eine Wiederholung ein wenig Zeit gewinnen konnte. Bisher haben diese Konfrontationen in Restaurant und Supermarkt zwei nennenswerte Ausgänge: entweder ich krieg am Schluss durch die Wiederholung eines Stichwortes sowie einem zufälligen “Ja”, “Nein” oder “Entschuldigung” was ich will. Oder ich krieg was anderes. Beide Fälle haben jedoch das eine gemeinsam: was genau der Gesprächsinhalt war, fällt mir erst eine halbe Stunde später ein. Und von grossem Fortschritt kann man da bisher definitiv nicht sprechen.

Kleine Nebenbemerkung: in dieser Situation bekommt die Challenge “Fast Food Bestellung ohne Rückfrage” einen ganz neuen Wert.
Weitere kleine Nebenbemerkung: gewisse Situationen oder Sachbezüge könnten ein wenig überspitzt oder verändert dargestellt sein, als sie tatsächlich vorgekommen sind. Sprache ist schliesslich auch zum Spielen da.

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Über Verkehr

Der Begriff “Verkehr” ist glücklicherweise weitläufig. Die erste Begegnung mit dem Verkehr machte ich also am Flughafen. Mit einer Verspätung von etwas mehr als 30 Minuten landete mein Flugzeug angenehm sanft am Moskauer Flughafen. Anstatt am 10 Meter nebenan liegenden Terminalschlauch anzudocken, mussten alle Passagiere das Flugzeug durch die Hecktüren verlassen. Zwei Transportbusse standen in zwei verschiedene Richtungen gewandt bereit, um uns Passagiere zur Passkontrolle sowie zu den Anschlussflügen zu bringen. Weshalb die beiden Busse in andere Richtungen standen, und welchen man besteigen sollte, ist mir bis jetzt unklar. Der von mir gewählte Bus führte mich jedenfalls nach einem Umweg, der in einem weitläufigen Kreis herumführte, zur Passkontrolle, wie es sich gehört.

Nach der Passkontrolle wartete meine Ansprechspartnerin für die Organisation in Moskau auf mich. Sie führte mich zu ihrem Auto, mit dem wir eine Stunde um halb Moskau zu meinem Studentenwohnheim fuhren. Die meiste Zeit verbrachten wir auf den grossen, fünf- bis sechsspurigen Autostrassen, die Moskau wie ein Gürtel umschliessen. Auf diesen Strassen schienen mir Verkehrsregeln unnötig, so viel freien Platz fand sich da. Und scheinbar war ich nicht alleine mit dieser Meinung: die meisten Autofahrer schienen zu fahren, wie es ihnen beliebte. Und die Motorradfahrer erst: Mit oder ohne Passagier, ihre Geschwindigkeit schien rekordverdächtig, ihre Kurven enger als beim Skislalom. Aber es war ja Platz genug da.

Nun kam ich heil in meinem neuen, temporären Daheim an. In der Nacht erfuhr ich eine nächste Begegnung mit dem Verkehr. Oder, besser gesagt, mit seinen Geräuschen. Leider steht das Studentenheim an einer weiteren, vierspurigen Autostrasse. Und aufgrund der Temperaturen ist es einfach nicht möglich, mit geschlossenen Fenstern den Schlaf zu suchen.

Den nächsten Tag verbrachte ich hauptsächlich damit, in der Umgebung herumzuwandern, auf der Suche nach einer Metrostation. Einer sicheren Quelle zufolge gibt es nur in den Metrostationen eine PrePaid-Fahrkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel. Meinen Reiseführer hatte ich genauso wenig dabei wie eine Strassenkarte auf dem Mobiltelefon. Nach einer Weile folgte ich dem gloriosen Einfall, mal einen Blick zu werfen auf die Karten an den etlichen Busstationen, an denen ich doppelt und dreifach vorbei gelaufen bin. Obschon mich diese Idee wegen schlechten Kartenlesekenntnissen zuerst in die falsche Richtung führte, schaffte ich es doch, die Metrostation zu finden. Diese bot mir die bisher schwerste Aufgabe: die korrekte Fahrkarte zu kaufen. Ob die Aktion erfolgreich war, ist zu bezweifeln.

Die Zeit als Fussgänger brachte mir jedoch noch eine weitere Erkenntnis: dank den breiten Strassen kann man an einer beliebigen Stelle beim Überqueren anhalten, und die Autos können einen umfahren 😉
Theoretsch jedenfalls. Praktisch ist es dank genügend vielen Fussgängerstreifen gar nicht nötig. Die Ampeln an den Fussgängerstreifen bieten ein aus meiner Sicht sehr praktisches Feature: Sie zeigen die Sekunden, die es noch dauert, bis die Ampel wieder rot bzw. grün wird. So kann man kompetent entscheiden, ob man den Sprung noch wagen kann oder nicht. Das grüne Licht besteht aus einem animierten grünen Männchen, das schneller läuft, sobald die Zeit knapp wird. Und gerade in diesen modernen Zeiten hat die angezeigte Zeit die Verantwortung, dem auf sein Handy schauenden Fussgänger mitzuteilen, wie lange er sich noch auf das Wesentliche, sein Smartphone, konzentrieren kann.

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